Martin K. Halliger

PR-Management / Pressesprecher

TEL:+49 3461 43-4435

FAX:+49 3461 43-4290

E-MAIL:

Stillstand für Fortschritt

MZ 11.05.2021

Die Total Raffinerie in Spergau fährt herunter. Erst zum vierten Mal in der Geschichte des Unternehmens am Chemiestandort in Leuna unterzieht es sich mit seinen Anlagen einem großen Stillstand. Der kommt nicht nur ein Jahr später als geplant, sondern findet auch unter den besonderen Einschränkungen der Pandemie statt. Total Mitteldeutschland hält jedoch an seinem Plan für den großen Tüv und den damit verbundenen Investitionen fest.

Am kommenden Montag soll ein großer Teil der Anlagen abgefahren werden. Die Raffinerie kommt samt Produktion dann zu einem kompletten Stillstand. Ruhig wird es auf dem Gelände derweil nicht. Stattdessen werden Tausende Arbeitskräfte zusätzlich zu den Total-Mitarbeitern zu Gange sein. Der Stillstand ist ein großer Tüv, bei dem unter anderem Kolonnen, Behälter, Wärmetauscher, Verdichter, Sicherheitsventile in ihre Einzelteile zerlegt, gereinigt, inspiziert und repariert werden. Gleichzeitig gibt das aufwendige Herunterfahren der Anlagen, das nur sehr langsam passieren kann, die Chance, auch neue Anlagen einzubinden und final anzuschließen. So zählt das Unternehmen 80 kleinere und mittlere Investitionsvorhaben, die nun umgesetzt werden können.

Bereits 2019 präsentierte Total-Geschäftsführer Willi Frantz dafür das Zahlenwerk. 150 Millionen Euro wolle das Unternehmen in die Wartung stecken, ebenso viel aber noch einmal in die Erweiterung und Weiterentwicklung der Anlagen. Das betrifft vor allem die Visbreaker-Anlage, in der Stofffumwandlungen stattfinden sowie die Pox-Methanol-Anlage, in der Ölrückstände chemisch aufbereitet werden. Frantz erklärte damals, dass die Produktion von Methanol am Standort in Spergau um 20 Prozent erhöht werden soll. Damit werde ein für die Chemie wichtiger Grundstoff hergestellt, der über den Stoffverbund den anderen Kunden am Standort zur Verfügung gestellt werden können. Die Investition ist eine Reaktion auf die sich verändernden Marktbedingungen.

Während der Bedarf an Diesel zurückgeht und die Entwicklung auch in Richtung von Elektromobilität geht, sieht die Raffinerie größeres Potenzial in der Herstellung von chemischen Stoffen für den Standort. "Mit der laufenden Generalinspektion und der Einbindung von unseren Investitionsprojekten machen wir die Raffinerie fit für die Zukunft und gewährleisten auch in den kommenden Jahren einen sicheren Anlagenbetrieb sowie die Anpassung unseres Produktportfolios an die Marktentwicklung", sagt Geschäftsfüher Willi Frantz in einer Mitteilung.

Die Projekte sollen laut Total Mitteldeutschland wie geplant durchgeführt werden. Ganz nach Plan läuft es jedoch nicht: Bereits im vergangenen Jahr hätte der Stillstand erfolgen sollen. Aufgrund der Pandemie entschieden die Verantwortlichen, das Großprojekt noch einmal zu verschieben. Damit ist jedoch der Spielraum ausgereizt, denn in diesem Jahr müssen die Anlagen der Wartung unterzogen werden. Ähnlich hatte es im vergangenen Herbst auch am Chemiestandort in Schkopau geheißen. Dort hatte die Dow Olefinverbund die Kunststoffanlagen für eine Wartung abgeschaltet. Geplant gewesen war dies bereits für das Frühjahr 2020 und man konnte die Arbeiten noch einmal verschieben. Doch die gesetzlich vorgeschriebenen Wartungsintervalle zwangen die Verantwortlichen auch dort, den großen Tüv in nicht allzu weite Ferne zu rücken.

Trotz aller Beschränkungen braucht Total nach eigenen Angaben etwa acht Wochen für die Arbeiten sowie 4.500 Mitarbeiter von über 40 Vertragspartnern. Im Vorfeld wurde daher ein siebenstufiges Schutz- und Hygienekonzept erarbeitet und mit dem zuständigen Gesundheitsamt des Saalekreises abgestimmt. Teil dessen ist, dass im Vorfeld bereits einige Mitarbeiter Impfungen erhielten. In Absprache mit dem Gesundheitsamt und dem Ministerium wurden 1.350 Dosen zur Verfügung gestellt. Das epidemiologische Risiko sei bei diesem Großprojekt hoch eingeschätzt worden und die Impfungen sollten möglichen Hotspots vorbeugen. Darüber hinaus sieht das Konzept auch regelmäßige Kontrollen sowie die Umsetzung geltender Abstands- und Hygieneregeln vor.

Engpässe an den 1.300 Tankstellen, welche die Raffinerie versorgt, wird es während des Stillstandes nicht geben. Dafür wurde im Vorfeld durch eine entsprechende Mehrproduktion gesorgt.