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Mehr Platz für grüne Chemie

MZ 10.05.2020

 1.300 Hektar ist der Chemiestandort Leuna aktuell groß. Das ist riesig, aber nicht groß genug. Deshalb soll es jenseits einer der bisherigen Außengrenzen, der B 91, eine Erweiterung in Richtung Merseburg geben, und zwar um 235 Hektar. Am 25. Mai werden die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt des Merseburger Stadtrates den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes fassen. Das wäre der erste formelle Schritt. Denn Vorarbeiten sind schon unzählige gleistet. "Bereits 2011 hatte die Stadt Merseburg hierfür eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben", sagt Ivo Walther, der Leiter des Stadtentwicklungsamtes.

"Aktuell verzeichnen wir am Standort ein enormes Wachstum", sagt Christof Günther, der Chef des Chemiepark-Betreibers InfraLeuna. "Mit den rund 1,3 Milliarden Euro, die hier gerade an Investitionen unterwegs sind, sind wir die zweitgrößte Industriebaustelle Deutschlands. Nur die von Elon Musk in Grünheide ist noch größer." Aktuell seien zwar noch 40 Hektar am Standort verfügbar, aber eben nicht in zusammenhängender Form. Kein Areal ist größer als fünf Hektar. "Für große Neuansiedlungen fehlen uns damit die passenden Flächen", so Günther. "Wir würden es bedauern, wenn wir die aktuelle Entwicklung nicht fortsetzen könnten." Ein großes Unternehmen aus dem Bereich der Biochemie hat schon Interesse bekundet, sich in Leuna anzusiedeln, will 400 bis 500 Millionen Euro investieren und mehr als 100 Menschen Arbeit geben. In einem Papier des Kreises heißt es wohl auch deshalb, dass ein "großer Handlungsdruck" besteht.

Der Zeitplan ist daher sportlich: Bis September 2022 soll der Bebauungsplan durch die Stadt Merseburg aufgestellt und damit Baurecht geschaffen sein. Schon 2023 soll es auf dem ersten der drei Baufelder losgehen, und zwar im südlichen Bereich des Geländes. Von den 235 Hektar werden am Ende nur 150 Hektar als Ansiedlungsfläche genutzt. Umgesetzt wird das Strukturwandelvorhaben unter dem Dach einer Kreisentwicklungsgesellschaft, die sich in Gründung befindet.

Interessant für die Anwohner: Für jedes Stück versiegelter Fläche, die dort auf dem neuen Areal entsteht, muss es auch einen Grün-Ausgleich geben. Der Grüngürtel ist im nördlichen Bereich des Areals vorgesehen, also direkt angrenzend an Beuna und Kötzschen. "Wir könnten uns hier eine Art Wall vorstellen", sagt Amtsleiter Ivo Walther. Das könnte gleichzeitig dazu führen, dass der Lärm, der durch die L 178n verursacht wird und die Anwohner erheblich stresst, vermindert wird. Um den Anwohnern das Riesenprojekt zu erklären, plant die Stadt Merseburg eine Infoveranstaltung. "Das könnte schon im Herbst passieren, und zwar direkt vor Ort", so Walther.

Auf dem neuen Areal sollen sich vorrangig forschungsintensive und nachhaltig produzierende Unternehmen ansiedeln, die sich durch geschlossene technische Anlagen auszeichnen, die keine geruchsintensiven Stoff freisetzen. InfraLeuna-Chef Günther sieht die Erweiterung als Jobmotor für die Region. "Arbeitsplätze in der Industrie sind rar. Deshalb ist es wichtig neue Industriearbeitsplätze mit interessanten Tarifen zu schaffen. Wir brauchen Jobs, für die es sich lohnt, in die Region zu kommen, hier zu bleiben oder auch zurückzukommen." Das kann aus seiner Sicht hier gelingen.

Die Stadt Merseburg rechnet am neuen Standort künftig mit bis zu 5.000 Arbeitsplätzen und zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen.