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Plastikmüll ist zu gut zum Verbrennen

MZ 18.04.2018

Sachsen-Anhalts Landesregierung hat den Weg frei gemacht für ein einmaliges Industrievorhaben in Leuna (Saalekreis). Es geht um die Weiterverwendung von Plastikmüll: Die Fraunhofer Gesellschaft will erforschen, inwiefern aus dem Abfall in Verbindung mit Braunkohle neue Werkstoffe wie Carbon entstehen können - sie sollen anschließend in der Industrie genutzt werden. Der Vorteil: Plastik würde nicht mehr klimaschädlich verbrannt und geförderte Braunkohle umweltfreundlicher eingesetzt werden. Für die geplante Pilotanlage mit dem Titel "Carbontrans" segnete die Landesregierung am Dienstag 15 Millionen Euro ab. Ebenso viel Geld soll nun vom Bund kommen.

Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte, die Forschungsanlage vereine zwei Vorzüge: "Einerseits eröffnet die stoffliche Nutzung eine Perspektive für die heimische Braunkohle, andererseits kann unsere Chemieindustrie unabhängiger von Erdöl und Erdgas werden." Dies stärke auch das Klima. Das Vorhaben sei ein Beitrag für eine schadstoffärmere Wirtschaft "und den anstehenden Strukturwandel in Kohleregionen" wie etwas im Burgenlandkreis. Auch die Bergbau- und Montanunternehmen Mibrag und Romonta sind am Vorzeigeprojekt beteiligt. 30 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Unter dem Schlagwort Bioökonomie sucht die Wissenschaft seit Jahren nach Wegen, den Einsatz von Plastik in der Wirtschaft zu reduzieren - zugleich geht es darum, Kunststoffe länger nutzbar zu machen, statt sie schlicht als Abfall zu verbrennen. Vorreiter auf diesem Feld ist das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen in Halle. Die Forscher untersuchten in den vergangenen Jahren etwa, wie Kunststoff in der Industrie durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden kann - zum Beispiel in Fahrradhelmen.

Das Institut soll auch das Projekt "Carbontrans" leiten. Mit dem grünen Licht der Landesregierung kann der Fraunhofer-Ausschuss nun endgültig über das millionenschwere Vorhaben beraten. Laut Wirtschaftsminister Willingmann sollen die Feinplanungen der Anlage bis 2021 laufen, ihr Bau soll 2024 beendet sein. Der nötige Reaktor soll in Freiberg (Sachsen) entwickelt werden, auch er wird vom Bund finanziert.