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Neue Wege in der Krise

MZ vom 05.05.2020

In der Krise sind Unternehmen vielerorts neue Wege gegangen. Sei es, weil sie sich neu erfunden haben oder weil sie neue Produkte herstellen. Am Chemiestandort in Leuna haben sich die Firmen zwar nicht neu erfunden, doch für einen begrenzten Zeitraum stellt das Unternehmen Minascent ein sehr begehrtes Produkt her: Desinfektionsmittel. Auch der Gasehersteller Linde hatte sich vorbereitet, während der Krise bestimmte Sparten hochzufahren. Nötig war das jedoch nicht.

Minascent ist ein Unternehmen, das Feinchemikalien, Zwischenprodukte sowie Wirkstoffe für die Pharmaindustrie produziert. Doch als sich das Coronavirus Anfang März ausbreitet und Desinfektionsmittel innerhalb kürzester Zeit rar wurde, habe man bei Minascent überlegt, ob es möglich wäre, es selbst zu produzieren. "Wir haben in Eigeninteresse geprüft, woraus Desinfektionsmittel hergestellt werden, ob wir die dafür notwendigen Rohstoffe vorrätig und geeignetes Equipment verfügbar haben", sagt Geschäftsführer Olaf Poppe. Da all das gegeben war und die Produktion vergleichsweise schnell und einfach umzusetzen sei, habe man bereits im März angefangen das begehrte Gut herzustellen. Innerhalb weniger Tage konnten die ersten Liter für den Eigenbedarf produziert werden.

Bislang, so Poppe, haben seine Mitarbeiter 10.000 Liter hergestellt. Abnehmer seien in diesen Tagen neben der Betreibergesellschaft des Standortes, der InfraLeuna, auch das Carl-von Basedow-Klinikum. "Die Kapazität wäre bei Bedarf jedoch deutlich höher", sagt Poppe. Die Reserven seien nicht ausgeschöpft. Doch Werbung habe er für die Herstellung des Desinfektionsmittels, das in Kanistern mit mindestens zehn Litern abgefüllt wird, nicht gemacht. Anfragen, die bei der InfraLeuna eingegangen seien, wurden direkt an Minascent durchgestellt. 

Noch dazu habe er die Produktionsmöglichkeit für das Mittel auf einer speziellen Plattform des Verbands der chemischen Industrie (VCI) eingestellt. Nach eigenen Angaben des Branchenverbandes soll die Plattform dazu dienen, dass Anbieter und Abnehmer von Händedesinfektionsmitteln sich bundesweit vernetzen können. So solle Angebot und Nachfrage besser gesteuert werden, um Gesundheitseinrichtungen mit dem Mittel zu versorgen.

Wenngleich die Herstellung für Minascent verhältnismäßig einfach sei, wolle das Unternehmen nicht dauerhaft Desinfektionsmittel herstellen. "Hätte es genug Desinfektionsmittel im Markt gegeben, dann hätten wir dies nicht gemacht", sagt Poppe. Es sollte lediglich eine Hilfestellung in der Krise sein. Man habe lediglich die günstigen Voraussetzungen mit vorhandenen Anlagen und entsprechend geschulten Mitarbeitern nutzen wollen.

Vorbereitet auf die Krise hat sich auch der unweit angesiedelte Gasehersteller Linde. Dort wird und wurde in Vorkrisenzeiten flüssiger Sauerstoff hergestellt, der mit einem zusätzlichen Zertifikat als medizinischer Sauerstoff verwendet werden darf. "Wir wären bereit gewesen, die Produktion hochzufahren", sagt Leiter Andreas Dietrich. Entsprechende Vorbereitung habe das Unternehmen im Vorfeld schon getroffen. Doch glücklicherweise sei der Bedarf an medizinischem Sauerstoff nur geringfügig gestiegen.