Martin K. Halliger

PR-Management / Pressesprecher

TEL:+49 3461 43-4435

FAX:+49 3461 43-4290

E-MAIL:

Millionenschwere Pläne

MZ 06.02.2019

Alle Zeichen stehen auf Wachstum und so soll die Entwicklung der vergangenen Jahre am Chemiestandort in Leuna auch in den kommenden Monaten fortgesetzt werden. Dafür investiert die Betreibergesellschaft InfraLeuna in Schwerpunktgebieten und etabliert neue Geschäftsfelder, wie Geschäftsführer Christof Günther im Interview erklärt. Mit ihm sprach Melain van Alst.

Noch bevor das neue Jahr gestartet ist, haben große Chemieverbände von einem verhaltenen Jahr für die Branche gesprochen. Wie sind ihre Aussichten für den Standort?

Christof Günther: Wenn man den Wirtschaftsweisen folgt, sehen die Prognosen tatsächlich nicht gut aus. Wir teilen für Leuna diesen Pessimismus aber nicht. Wir haben gute Projekte auf den Weg gebracht und denken daher, dass sich die gute Entwicklung fortsetzt. Wir werden Effekte sehen und Früchte unserer Arbeit ernten.

Das klingt als wäre das vergangene Jahr erfolgreich gewesen.

Wir hatten ein sehr gutes Jahr mit starkem Wachstum. Das kam aus zwei Richtungen. Einerseits von den Kunden, andererseits aus den neuen Geschäften der InfraLeuna. Bei den Kunden sind bedeutende neue Anlagen in Betrieb gegangen, die in den vergangenen Jahren errichtet wurden. Mit neuen Anlagen und Erweiterungen ist auch die Nachfrage nach den Dienstleistungen bei der InfraLeuna wie Energie, Wasser und Logistikleistungen gestiegen. Wir wachsen mit unseren Kunden. Darüber hinaus haben wir neue Geschäfte entwickelt.

Was denn für Geschäfte?

Wir haben viel in den Logistikbereich investiert und den zweiten Übergabebahnhof in Betrieb genommen, neue Loks gekauft, wir haben das Containergefahrstofflager in Betrieb genommen. Damit haben wir bereits vor mehreren Jahren begonnen. Das Lagergeschäft hat stark angezogen und gibt Impulse in andere Geschäfte beispielsweise im Speditionsgeschäft oder bei der Tankwagen- und Kesselreinigung. Das greift alles ineinander. Dann haben wir auch im Energie- und Wasserbereich neue Geschäfte entwickelt. Dazu gehört die Versorgung der Kunden mit Kaltwasser. Bislang haben wir unsere Kunden ausschließlich mit Kühlwasser beliefert, wenngleich in gewaltigen Größenordnungen. Und Kaltwasser ist ein anderes Medium, das wie der Name sagt, kälter als Kühlwasser ist. Ein Kunde ist bereits angeschlossen, zwei weitere werden es bald.

Sie sind nun eine Spedition?

Ja, wir sind als Spedition in der Region unterwegs. Das haben wir in der Vergangenheit überhaupt nicht gemacht, aber bieten es heute verstärkt an.

Warum?

Weil wir in dem Bereich wettbewerbsfähiger sind. Das hat auch damit zu tun, dass Transportraum knapp geworden ist. Fahrermangel ist da ein Stichwort und das hat auch was mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Das ist bei den Transporten, die wir machen, anders. Sie fahren morgens los und kommen abends wieder, weil unsere Lkw auf dem Standort und in einem engen Radius in der Region unterwegs sind. Wir selbst sind nicht aktiv bei Transporten im Fernverkehr. Hier nutzen wir weiterhin große internationale Speditionen.

 

Bleiben wir bei der Logistik: Das Tor 6 war bereits 2018 im Fokus. Wie geht es dort weiter?

Da wird es einige Veränderungen geben. Es wird neue Software genutzt werden, die die Anmeldung und Abfertigung optimiert und zugleich die Prozesse an der Besucheranmeldung verbessert. Wir gehen schrittweise vor. Baulich wurde die Anmeldung bereits neu gestaltet. Mit der neuen Software im dritten Quartal 2019 soll der Lkw-Verkehr verändert werden. Die Abwicklung soll automatisiert werden. Da wo heute noch mit Papier gearbeitet wird, sollen die Fahrer elektronische Karten in die Hand bekommen, auf denen alle Daten gespeichert sind und die sie beim Verlassen des Standorts wieder einwerfen. So wollen wir mit dem wachsenden Fahrzeugaufkommen besser zurecht kommen.

Konnten im vergangenen Jahr die geplanten 30 Millionen Euro investiert werden?

Wir sind unter den 30 Millionen Euro aus verschiedenen Gründen geblieben. Der Markt für Bauleistungen ist sehr angespannt, das heißt die Kapazitäten sind knapp. Da mussten wir das ein oder andere Projekt schieben.

Wie sieht es denn für das neue Jahr aus?

Wir haben uns wieder ein ambitioniertes Ziel mit Investitionen in Höhe von 35 Millionen gesetzt. Damit befinden wir uns seit fünf Jahren auf einem Plateau. Ein Schwerpunkt bleibt die Logistik, wo wir neue Aufträge beim Transport auf der Schiene gewinnen konnten und nun fahren unsere Loks durch ganz Deutschland und bringen Transporte bis zu Tanklagern an der österreichischen Grenze oder an die Seehäfen. Daher wollen wir zwei weitere Lokomotiven kaufen und brauchen dafür auch Lokführer.

Welches Potenzial sehen Sie zukünftig am Standort?

Die gemeinsame Investition in die Benzolextraktion der Unternehmen Domo und Total hat den Stoffverbund gestärkt. Die Weiterentwicklung des Stoffverbunds ist auch künftig ein wichtiges Thema. Wir wollen uns zudem mit Trends der Branche befassen, die unter dem Stichwort zirkuläre Wirtschaft laufen. Es geht um die Nutzung von nachwachsenden- und Recyclingrohstoffen, wo es verschiedene Projekte gibt. Zuvor haben wir noch Platz für Ansiedlungen, gehen aber sorgsam damit um. Ansiedlungen müssen den Standort nach vorn bringen und es geht nicht darum, einfach nur Grundstücke zu verkaufen.

Welche politischen Voraussetzungen würden Sie sich für den Standort wünschen?

Im Land haben wir eine große Unterstützung. Im Bund wird es schon schwieriger und in Europa noch einmal. Das sind politische Diskussionen, über die wir jeden Tag lesen, beispielsweise der Ausstieg aus der Braunkohle und wie das die Industrie benachteiligt. Auch die Regulierungsdichte ist höher geworden, vor allem aus Europa kommend. Da muss Augenmaß gewahrt werden. Schließlich steht die Industrie im globalen Wettbewerb und Auflagen in Europa, die womöglich das Geschäft beeinträchtigen, gibt es andernorts nicht. Dadurch werden Wettbewerber außerhalb Europas begünstigt.

Mit Blick über das Jahr 2019 hinaus, gibt es langfristig große Projekte am Standort?

Ja. (lacht)

Welche denn?

Wir haben verschiedene Themen, aber ich würde gern erst mehr dazu sagen, wenn es auch soweit ist.

Na gut, können Sie sagen, welche Bereiche es betrifft?

Energie ist ein zentrales Thema auch für die Zukunft.

So und jetzt noch ein Blick in die Glaskugel: Wie sieht der Standort im Jahr 2030 aus?

Die Chemie ist was Automatisierung und Digitalisierung betrifft bereits sehr fortschrittlich. Nachts sieht man jetzt schon wenig Menschen, trotzdem arbeitet der Standort mit voller Leistung. Da ist man nie am Ziel, das wird sich sicher noch verstärken - auch autonome Transportmittel sind zukünftig vorstellbar. Da wo das sinnvoll ist, kann man das auch am Standort entwickeln. Insgesamt gehe ich davon aus, dass wir 2030 weniger Grundstücke freihalten. Ich denke, dass dann alles kompakter und dichter ist, da die InfraLeuna weiterhin alles dafür tun wird, damit unser Chemiestandort den erfolgreichen Wachstumskurs der letzten Jahr fortsetzt.