Martin K. Halliger

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Im Verbund stark

MZ 01.02.2020

Es war ein Paukenschlag, der in ganz Deutschland für Aufsehen gesorgt hat. Knapp zwei Jahre Arbeit und Verhandlungen sind von einer Minute auf die andere mit Erfolg gekrönt worden. Das finnische Unternehmen UPM hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass es eine Bioraffinerie am Chemiestandortort in Leuna bauen und dafür 550 Millionen Euro investieren will. Dort sollen holzbasierte Biochemikalien hergestellt werden. Stoffe, die es so bislang noch nicht am Standort gibt. Es entsteht nicht nur eine neue Wertschöpfungskette, es ist auch eine Initialzündung für den Bereich der Biochemie. Leuna betritt da ebenso Neuland, wie die Finnen, die erstmalig eine Anlage dieser Art im industriellen Maßstab bauen.

Die Ansiedlung des finnischen Konzerns "ist die größte Einzelinvestition seit dem Bau der Raffinerie in den 90er Jahren", sagt Martin Naundorf. Er ist der Leiter der Standortentwicklung der Betreibergesellschaft InfraLeuna und hat den Auswahlprozess und die vielen Treffen mit den Finnen intensiv begleitet. Für den Standort ist das kurzfristig eine große Investition, doch gerade langfristig erhoffen sich Naundorf und auch Geschäftsführer Christof Günther weitere Entwicklungen in diesem neuen Segment, womöglich auch die Ansiedlung weiterer Unternehmen. Dass UPM sich für Leuna entschieden hat, ist der Entwicklung des Standortes in den vergangenen 30 Jahren zu verdanken.

Nach der Wende ist der Standort vor allem ein Ort des Umbruchs. Die Leuna-Werke werden privatisiert, Anlagen werden stillgelegt und Mitarbeiter entlassen. Es ist aber auch die Zeit, in der sich Unternehmen ansiedeln, die heute grundlegende Bedeutung für den Stoffverbund am Standort haben, ebenso wie für das mitteldeutsche Chemiedreieck. Als eines der ersten Unternehmen steigt die heutige Linde AG auf dem Standort ein und baut ein Zentrum für technische Gase. Dass, so Naundorf, sei eines dieser wichtigen Signale gewesen. Linde ist nicht nur geblieben, sondern hat seine Anlagen erweitert und will nun das "europäische Wasserstoffzentrum" in Leuna errichten. Dafür entsteht derzeit eine Verflüssigungsanlage für 31 Millionen Euro. Das Unternehmen verdoppelt die Produktion und stellt dann 50 Prozent des europaweiten Bedarfs an flüssigem Waserstoff her. Bislang wird ein Großteil des Wasserstoffes aus Erdgas hergestellt. An der Herstellung von grünem Wasserstoff mittels Elektrolyse arbeitet Linde zusammen mit Forschern.

Ein weiterer großer Partner am Standort ist die Total Raffinerie. Die Bauarbeiten für die neue Raffinerie beginnen 1994. Stetig wird dort erweitert und die Total stellt nicht nur Kraftstoffe her, sondern hat sich auf die Herstellung von Stoffen spezialisiert, die sie an die Chemiefirmen in ihrem direkten Umfeld liefert. 150 Millionen Euro will das Unternehmen investieren, um unter anderem die Produktionskapazität von Methanol zu steigern. Die enge Verzahnung im Stoffverbund hat die Raffinerie zudem 2017 mit dem dritten großen Partner am Standort, der Domo Caproleuna, geschafft. Das extrahierte Benzol der Total wird über Leitungen zur Domo gebracht. Letztere hat sich ebenfalls 1994 in Leuna angesiedelt und den bereits dort vorhandenen Caprolactambereich der Leuna-Werke übernommen. Auch dies, so Naundorf, sei ein wichtiger Pfeiler für die chemische Industrie. Erweitert hat die Domo ihr Spektrum später mit dem Bau der Folienanlage im Jahr 2015.

Bei Ansiedlungen in Leuna steht fest, dass sie zum Standort und in den Verbund passen müssen. Darin bestehe ein Vorteil in Leuna, so Naundorf. Dazu gehören auch mittelständische Unternehmen wie LEUNA-Harze, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Über die Jahre hat das Unternehmen im dreistelligen Millionenbereich investiert und sich vor allem auch vergrößert.

Wettbewerbsfähig bleibt der Standort auch durch die Betreibergesellschaft InfraLeuna, die 1996 entstanden ist. Geschäftsführer Christof Günther ist sich sicher, dass Unternehmen zu schätzen wissen, dass die Infrastruktur von Wasser über Logistik bis hin zu Energie aus einer Hand kämen. "Dadurch sind wir bei diesen komplexen Prozessen auch so schnell." Besonders im Energiesektor könne die InfraLeuna so flexibel reagieren, wie kaum ein anderer Anbieter, sagt Günther, der die Leistung vor allem bei seinen 750 Mitarbeitern sieht.

Neben der Chemie hat auch die Forschung ihren Platz auf dem Gelände gefunden. Einst, so Naundorf, war die Forschung in den Unternehmen angesiedelt. Doch die haben ihre Hauptstandorte häufig in anderen Ländern. Daher wurden externe Alternativen geschaffen. Seit  2012 ist das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) auf dem Gelände etabliert. "Das CBP ist ein wichtiger Baustein am Standort, das Entwicklungsunterstützung bietet und von vielen mittelständischen Unternehmen genutzt wird", weiß Naundorf. Und nun lässt sich UPM nieder, das chemische Stoffe aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen will und das mit 200.000 Tonnen pro Jahr. "Biochemische Verfahren gibt es schon sehr lange. Die industrielle Herstellung war technisch und wirtschaftlich lange Zeit anspruchsvoll. Umso mehr freuen wir uns über die erste industrielle Anlage am Chemiestandort Leuna."