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Grünes Neuland

MZ 14.01.2021

Mit Gasen kennt sich die Linde AG freilich aus, ist das doch ihr Hauptgeschäft. Gerade in Leuna ist vor allem der hergestellte Wasserstoff eine wichtige Ressource, auf die die chemischen Partner innerhalb der Mauern des Standortes und im mitteldeutschen Chemiedreieck gern zurückgreifen. Doch nun betritt das Unternehmen Neuland und will sich an der wirtschaftlichen Herstellung von grünem Wasserstoff versuchen. Dafür sollen zwei Elektrolyseure am Standort in Leuna gebaut werden, die die Herstellung eben jenes Wasserstoffs mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energiequellen möglich machen soll. Mit einer Leistung von 24 Megawatt ist es die größte Anlage dieser Art weltweit.

Nach MZ-Informationen sollen in den kommenden anderthalb Jahren gut 30 Millionen Euro in die beiden Elektrolyseure investiert werden. Auch das Land Sachsen-Anhalt und der Bund unterstützen das Projekt mit Fördermitteln. Mitte 2022 könnten die Anlagen in Betrieb gehen und ab Oktober bis zu 4.600 Kubikmeter Wasserstoff im Jahr herstellen. "Wir wollen die Anlagen testen und schauen, wie gut das wirklich alles funktionieren kann", sagt Andreas Dietrich. Der Manager der Linde AG in Leuna ist überzeugt von der Zukunft des Wasserstoffs. Wenngleich das Unternehmen bislang kaum Abnehmer für die grüne Variante hat, wie er gesteht. Anfangs können die Anlagen mit zertifiziertem Ökostrom laufen, später soll es Strom aus erneuerbaren Quellen in der Nähe sein.

"Es geht in erster Linie auch darum, den eigenen CO2-Ausstoß zu verringern", erklärt Dietrich die Entscheidung für den Bau. Denn die beiden Elektrolyseure ersetzen ein Projekt, das noch bis vor wenigen Jahren auf der Liste des Managers stand. In Leuna sollte ein weiterer Dampfreformer entstehen, der aus Erdgas Wasserstoff herstellt. Denn Linde, so damals die Aussage, komme bei steigendem Bedarf an die Kapazitätsgrenzen. Das Unternehmen entschied aber kurz bevor Projektstart, dass der Reformer mit dem dazugehörigen CO2-Ausstoß nicht mehr zeitgemäß sei und schwenkte auf die Elektrolyse um. Dabei wird aus Wasser mittels Strom Wasserstoff gewonnen. Kommt der Strom aus erneuerbaren Energiequellen, dann handelt es sich um grünen Wasserstoff.

Der Trend hin zu weniger Ausstoß des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids wird Linde wohl auch zukünftig beschäftigen, glaubt Dietrich. Das müsse nicht zwangsläufig immer über Investitionen wie jetzt in die Elektrolyseure sein, auch eine Weiterentwicklung im Bereich der Technologie könne da sicher helfen.

Offen ist, was die Elektrolyseanlage für das Großprojekt "Reallabore" vom Bund bedeutet. Vieles, was in dessen Rahmen mit Elektrolyseuren untersucht werden sollte, testet Linde zukünftig in den Anlagen selbst, immer mit dem Ziel verbunden, Wasserstoff auch wirtschaftlich herzustellen. Unterdessen ist ein anderes Projekt am Standort der Linde in Leuna bereits abgeschlossen. Der Wasserstoffverflüssiger, der in den vergangenen Monaten gebaut wurde, kann in Betrieb genommen werden, sagt Dietrich.

Lindes Investition im Bereich grüner Wasserstoff reiht sich in Leuna in eine Reihe von anderen Projekten ein, die sich dem Zukunftsthema widmen. Doch InfraLeuna-Chef Christof Günther hebt die Besonderheit hervor: Man sehe kaum kommerzielle industrielle Projekte, häufig seien es Pilotanlagen. In diesem Fall jedoch sei es eine industrielle Anlage. "Das macht uns stolz, dass dieses tragfähige Projekt in Leuna entsteht", sagt Günther.