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Gas auf dem Vormarsch

MZ 11.05.2019

In der Chemie ist Wasserstoff bereits ein wichtiger Stoff, nun soll er auch zunehmend als Antrieb für Fahrzeuge genutzt werden. In Halle ist am Freitag die erste Wasserstoff-Tankstelle eröffnet worden. Auf dem Areal des Autohauses PS Union in der Blücherstraße können Besitzer eines Wasserstoffautos ab sofort ihren Tank wieder auffüllen. Statt in Litern wird in Kilogramm abgerechnet, der deutschlandweit je 9,50 Euro kostet. "Mit einem Kilogramm Wasserstoff kommt man rund 100 Kilometer weit", erklärt Lorenz Jung vom H2 Mobility Deutschland, die zusammen mit PS Union und der Firma Linde und im Beisein des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) die zweite Wasserstoff-Tankstelle in Sachsen-Anhalt eröffneten.

Befüllt ist die Tankstelle mit flüssigem Wasserstoff, der eine deutlich höhere Dichte hat als das gasförmige Pendant. Zehnmal mehr flüssiger Wasserstoff passe laut Linde-Manager Andreas Dietrich in einen Lkw. Die Versorgung von Fahrzeugen mit Wasserstoff könnte zukünftig ein wachsendes Feld für die Linde AG sein. Doch an ihrem Sitz in Leuna liefern sie vor allem für die chemische Industrie den wertvollen Stoff. "Der Bedarf ist enorm gestiegen", sagte Linde-Manager Andreas Dietrich bereits am Donnerstag im Rahmen der Fachmesse Leuna-Dialog. Allein im mitteldeutschen Chemiedreieck werden 3,6 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gebraucht. Gerade deshalb will das Unternehmen am Chemiestandort in Leuna nicht nur 31 Millionen Euro für einen zusätzlichen Verflüssiger ausgeben, sondern auch einen weiteren Steamreformer, einen Dampfreformer, für 50 Millionen Euro bauen. Beide Anlagen sollen 2021 in Betrieb gehen. "Wir sind an Wasserstoff ausverkauft", sagte Dietrich. Die Kapazitäten der beiden bestehenden Reformer, die der Herstellung des Wasserstoffs dienen, seien ausgereizt, weshalb die Planungen für den dritten vorangetrieben würden.

Dietrich ist beruflich wie privat vom Medium Wasserstoff überzeugt, auch als alternative Möglichkeit für den Antrieb von Fahrzeugen. Die Kritik, dass der Wasserstoff nicht grün ist, mag berechtigt sein, sagt er. Ein Großteil des in Leuna produzierten Stoffes ensteht aus Erdgas und Wasser, nicht aus regenerativen Energiequellen. "Wir nutzen auch Biomasse und Strom zur Herstellung von grünem Wasserstoff", erklärt der Manager. Allerdings müsse es dafür auch Kunden geben, die das abnehmen. Biomasse ist dreimal so teuer und das schlage sich letztlich auch auf den Preis des Wasserstoffs nieder. Dietrich sieht noch ein anderes Problem bei der Verwendung von Biomasse: "Es gibt einfach nicht genug für den Bedarf an Wasserstoff."

Doch das Unternehmen engagiert sich in mehreren Projekten, die eine andere Möglichkeit, grünen Wasserstoff herzustellen, erforschen. So soll Mitte 2020 eine Elektrolysetest- und  -versuchsplattform vom Fraunhofer Institut in Leuna in Betrieb gehen. Gleichzeitig läuft ein Förderantrag beim Bundeswirtschaftsministerium für den Wettbewerb "Reallabore der Energiewende". Mit dem Projekt "GreenHydroChem" will das Konsortium mit Elektrolyse grünen Wasserstoff in Leuna herstellen und in Bad Lauchstädt in Kavernen speichern. Das Ministerium wollte für den Wettbewerb 100 Millionen Euro stellen. Doch der Rücklauf an Anträgen war überwältigend. So habe Dietrich die Information erhalten, dass 88 Anträge für 3,6 Milliarden Euro eingegangen sind. Sollte es bei diesem Programm nicht klappen, ist das Projekt auf der Liste der Kohlekommission, wo es alternativ finanziert werden könnte.