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Der 300-Millionen-Plan

MZ 27.04.2019

Viel Überzeugungsarbeit musste Willi Frantz in Paris leisten. Denn am französischen Hauptsitz der Total hat der Geschäftsführer der Raffinerie in Leuna bereits vor Jahren zwei Projekte vorgestellt, die die Zukunft des Standortes sichern sollen und mit hohen Investitionen verbunden sind. Tatsächlich hat Total-Chef Bernard Pinatel die Geldbörse geöffnet, so dass in den kommenden beiden Jahren 300 Millionen Euro nach Leuna fließen. "Das ist die größte Investition seit dem Bau der Raffinerie", erklärt Geschäftsführer Willi Frantz am Freitag und will den Standort so wettbewerbsfähig machen. Ein Teil des Geldes soll in den Bau von Anlagen fließen, um so die Produktionskapazität von Methanol um 20 Prozent zu steigern. Ein ebenso großer Teil werde für den großen Stillstand im kommenden Jahr gebraucht.

150 Millionen Euro werden vor allem in die Visbreaker-Anlage, in der Stoffumwandlungen stattfinden, und die Pox-Methanol-Anlage, in der Öl-Rückstände chemisch aufbereitet werden, fließen. Innerhalb von zwei Jahren werden sechs Vergasungsreaktoren in der Pox gewechselt und die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Die Anlage wird nicht nur modernisiert, sondern aufgerüstet. Die Arbeiten beginnen bereits jetzt und sollen bis ins Jahr 2021 dauern. Darüber hinaus wird der Visbreaker erweitert.

Das Unternehmen reagiert damit auf den sich verändernden Markt. Gerade im Bereich der Mobilität steht die Elektrotechnologie im Vordergrund, der Bedarf an Diesel sinkt. Daher sollen weniger Produkte wie Diesel hergestellt werden und mehr Methanol. Frantz betonte, dass sich die Raffinerie an einem Chemiestandort befinde und man für die chemische Industrie Rohstoffe herstelle - ein Markt, auf dem die Total ihre Zukunft sieht und weiter wachsen will. Einer der wichtigsten Ausgangsstoffe für die Chemie sei Methanol.

Das Aufrüsten und Erweitern der Anlagen ist aber nur ein Puzzlestück, das andere ist der Stillstand, der auch Turnaround genannt wird. Sechs Wochen steht die Raffinerie in der zweiten Jahreshälfte 2020 still. "In dieser Zeit werden 120 neue Anlagenteile mit einem Gesamtgewicht von 3.500 Tonnen verbaut", so Frantz. 700 Tonnen Rohrleitungsmaterial werden erneuert. Dafür sind in dem knappen Zeitraum bis zu 80 Kräne und 4.000 Arbeiter auf dem Gelände. Es werden Anlagen repariert, gewartet, gereinigt und die neuen in das System eingebunden.

Dass der Stillstand der Raffinerie für das kommende Jahr bevorsteht, ist Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nicht entgangen. So bekäme er rechtzeitig einen Anruf, wenn die Anlagen abgeschaltet würden, weil sich das auf das Wirtschaftswachstum des Landes auswirke. Der Standort Leuna mache immerhin vier Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes in Sachsen-Anhalt aus. Er wisse die Investition in die Region besonders zu schätzen. "Die Total muss global denken", sagt Haseloff. Dennoch investiere das Unternehmen genau hier und das gebe dem Standort Sicherheit und sei ein klares Bekenntnis für die Chemie in Leuna. "Wer investiert, der bleibt", fügte er hinzu.

So wie die Total Raffinerie den Chemiestandort mit Stoffen versorgt, ist sie auch auf den Absatz von dort angewiesen und so auf die Zusammenarbeit mit der Betreibergesellschaft InfraLeuna. Ein Meilenstein im Thema Stoffverbund war der Bau der Benzolextraktionsanlage mit der Domo Chemicals, die im vergangenen Jahr in Betrieb ging. Das Projekt schuf einen Stoffverbund, bei dem Domo Benzol extrahieren kann und die Raffinerie die verbleibenden Kohlenwasserstoffe dann zurückerhält.