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Cannabis aus Leuna

MZ 20.04.2019

Am Chemiestandort in Leuna soll im kommenden Jahr medizinisches Cannabis angebaut und in ganz Deutschland verkauft werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM, hat am Mittwoch zwei Firmen Zuschläge erteilt, die nun erstmalig in Deutschland 7,2 Tonnen Cannabis anbauen und vertreiben dürfen. In Leuna errichtet das Unternehmen Aurora Deutschland dafür eine neue Anlage, deren Bau schon im Mai beginnen soll. Bereits Ende 2020 sollen die ersten Produkte ausgeliefert werden. Über vier Jahre verteilt, darf das Unternehmen dann eine Tonne jährlich produzieren.

Seit März 2017 dürfen Rezepte für Cannabisblüten und -extrakte an Schwerkranke ausgestellt werden, in einigen Fällen werden die Kosten für die Medikamente sogar von den Krankenkassen übernommen. "Auch wir merken den gestiegenen Bedarf von medizinischem Cannabis seit der Gesetzesänderung vor zwei Jahren und sind froh, dass nun noch mehr schwer kranken Patienten Zugang zu diesem Arzneimittel ermöglicht wurde", sagt Sandra Bütow, Pressesprecherin von Aurora Deutschland. Bislang wurde das Cannabis auf Rezept aber lediglich nach Deutschland importiert, da es keinen eigenen Anbau gab. So habe auch Aurora die Produkte aus Kanada bezogen, wo das Mutterunternehmen seinen Sitz hat.

Von dort werde man auch zukünftig das Extrakt erhalten, in Deutschland darf das Unternehmen lediglich die Blüten verkaufen, so die Vorgaben des Bundesinstituts. Innerhalb eines Jahres wird am Standort eine Anlage auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern entstehen, die 50 Arbeitsplätze schafft. Aurora Deutschland will nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag investieren. "Die Anlage dient der Herstellung von medizinischem Cannabis unter standardisierten Bedingungen", erklärt Bütow. Dass das Unternehmen so schnell mit dem Bau beginnen kann, liege daran, dass bereits alle Genehmigungen  und auch die Standortsuche parallel zum Prozess des Bundesinstitutes liefen. Dies sei so gefordert gewesen.

"Der Standort in Leuna bietet für uns optimale Bedingungen, unter anderem dank der vorhandenen Infrastruktur", sagt Bütow weiter. Darüber hinaus seien die Absprachen und Genehmigungen mit Behörden und den Ansprechpartnern vor Ort schnell und zügig verlaufen. Auch die günstige Lage und die Aussicht auf entsprechende Fachkräfte haben das Unternehmen animiert in Leuna zu investieren. Dementsprechend begrüßt auch Christof Günther, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft InfraLeuna am Chemiestandort, den Neuankömmling. "Die Ansiedlung der Aurora Deutschland GmbH ist ein weiteres positives Signal für unseren Chemiestandort Leuna. Die Entscheidung des Unternehmens zeigt, dass neben der Chemie auch Unternehmen aus der pharmazeutischen Produktion mit besonderen Qualitätsanforderungen die hervorragenden Produktionsbedingungen am Chemiestandort zu schätzen wissen." Die Herstellung und der Verkauf von medizinischem Cannabis sind stark reglementiert. In der Mitteilung des Bundesinstitutes heißt es, dass die herstellenden Unternehmen das Produkt an die Cannabisagentur, die dem BfArM zugeordnet ist, verkaufen und die es dann an Apotheken abgeben. Dabei werde das eigentliche Produkt jedoch nicht zum Bundesinstitut gefahren, sondern vom Herstellungsort aus vertrieben. Gleichzeitig, so Aurora-Sprecherin Bütow, gebe es Regeln, die die Qualität des Produktes genauestens festlegen. Grundsätzlich würden von Unternehmen nur die Grundstoffe geliefert, die dann noch zu einem entsprechenden Produkt zusammengestellt werden.

Insgesamt wollte das BfArM Zuschläge für eine Produktion von 10,4 Tonnen Cannabis an drei Firmen für vier Jahre vergeben. Doch nun wurden es vorerst 7,2 Tonnen, an zwei Unternehmen verteilt, weil ein dritter Anbieter einen Nachprüfungsantrag gestellt hat, der bislang noch nicht entschieden wurde.